Fahrhöhe ändern, ohne die Federvorspannung zu verändern – auch beim Gewindefahrwerk mit verstellbarem Federteller

Früher waren Gewindefahrwerke mit verstellbarem Federteller – also Fahrwerke, bei denen die Fahrhöhe über den unteren Federteller eingestellt wird – die übliche Wahl. Vollständig längenverstellbare Gewindefahrwerke, bei denen sich die Fahrhöhe unabhängig von der Feder einstellen lässt, galten dagegen als Premiumprodukte. Heute kann es je nach Fahrzeug sogar schwierig sein, überhaupt noch ein Gewindefahrwerk mit verstellbarem Federteller zu finden.
Bei solchen Gewindefahrwerken wird die Fahrhöhe über den unteren Federteller eingestellt, wodurch sich gleichzeitig die Federvorspannung verändert. Deshalb haben sie manchmal den Ruf, weniger fortschrittlich zu sein. Sie haben allerdings auch Vorteile, zum Beispiel ein größeres Ölvolumen und je nach Konstruktion möglicherweise mehr Federweg als manche vollständig längenverstellbare Konstruktion.
Wenn man weiß, was man tut, kann man außerdem den Bereich um das obere Domlager verändern und dadurch die Länge eines solchen Gewindefahrwerks anpassen, ohne die Federvorspannung zu verändern. Das ist zwar mit mehr Arbeit verbunden, ermöglicht aber, die Länge des Gewindefahrwerks einzustellen und dabei die ursprüngliche Federvorspannung beizubehalten.
Einige dieser Methoden geraten vielleicht langsam in Vergessenheit, deshalb möchte ich hier einfach das aufschreiben, was ich darüber weiß.
Auch bei vollständig längenverstellbaren Gewindefahrwerken können diese Methoden hilfreich sein, wenn der Einstellbereich an der unteren Aufnahme nicht ausreicht oder die untere Aufnahme aus einem anderen Grund nicht zur Einstellung verwendet werden kann.

Gewindefahrwerk-Baugruppe mit der Gesamtlänge vom oberen Domlager bis zum unteren Querlenker

Schauen wir uns zunächst kurz die grundlegende Terminologie an: Mit der „Länge“ eines Gewindefahrwerks ist die Gesamtlänge des Gewindefahrwerks gemeint. Normalerweise wird sie von der Oberseite des oberen Domlagers – also der Stelle, an der das Fahrwerk an der Karosserie befestigt wird – bis zur Mitte der Befestigungsbohrung an der Aufnahme zum unteren Querlenker gemessen.
Bei einem vollständig längenverstellbaren Gewindefahrwerk lässt sich diese Länge durch Verdrehen der unteren Aufnahme verändern. Ein Gewindefahrwerk mit verstellbarem Federteller hat diese Art der Verstellmöglichkeit an der unteren Aufnahme jedoch nicht.
Die Idee ist also, die Länge stattdessen durch Änderungen am oberen Domlagerbereich einzustellen.
Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten:

1. Einstellung mit Unterlegscheiben

Normalerweise wird das obere Domlager eines Gewindefahrwerks mit einer Doppelmuttern-Konstruktion befestigt. Oberhalb des Domlagers bleibt an der Kolbenstange jedoch normalerweise noch etwas Gewinde übrig.
Wenn zum Beispiel etwa 20 mm ungenutztes Gewinde vorhanden sind, kann man die Länge um diese 20 mm vergrößern, ohne zusätzliche Federvorspannung aufzubauen.
Dazu baut man zunächst das Gewindefahrwerk aus dem Fahrzeug aus und zerlegt das obere Domlager. Anschließend dreht man den unteren Federteller um 20 mm nach oben.
Wenn man das Domlager jetzt einfach wieder normal montieren würde, müsste man die Feder um 20 mm zusammendrücken und dadurch zusätzliche Vorspannung erzeugen. Legt man jedoch zehn 2-mm-Unterlegscheiben unter das Domlager, wird dessen Position um 20 mm angehoben. Dadurch lässt sich das Domlager montieren, ohne die Federvorspannung zu erhöhen.
Mit anderen Worten: Man hat die Gesamtlänge des Gewindefahrwerks effektiv um 20 mm verlängert.

Unterlegscheiben unter dem oberen Domlager, um dessen Position ohne zusätzliche Federvorspannung anzuheben

2. Hülsenmuttern und Madenschrauben

Bei der oben beschriebenen Methode mit Unterlegscheiben kann es ein Problem geben: Wenn der Gewindebereich der Kolbenstange nicht lang genug ist, kann es passieren, dass man das Domlager zwar gerade noch aufsetzen kann, aber nicht mehr genügend Gewinde vorhanden ist, um die Mutter richtig festzuziehen.
In diesem Fall kann eine Hülsenmutter verwendet werden, mit der sich die Mutter trotzdem festziehen lässt.
Eine Hülsenmutter ist eine spezielle Mutter mit einer nach unten verlängerten Gewindehülse – etwa so:

Hülsenmutter mit Gewindehülse

Schnittansicht der Hülsenmutter mit dem Innengewinde

Dieses Teil wird als Ersatzteil für das „Lowered NA Mount Kit“ von NieleX angeboten (japanischsprachige Produktseite: https://nielex.net/footwork_lda.html).
Das Teil ist zwar für den NA/NB Mazda Roadster ausgelegt, wird aber in verschiedenen Gewindegrößen angeboten – M12 × P1,25, M10 × P1,0, M12 × P1,0 und M10 × P1,5. Wenn die Abmessungen passen, kann es also auch bei anderen Fahrzeugen verwendet werden.
Da auch der Hülsenbereich selbst ein Gewinde besitzt und weiter nach unten reicht, kann die Mutter auch weiter unten auf der Kolbenstange greifen, wenn der verbleibende Gewindebereich für eine normale Mutter zu kurz wäre.
Allerdings ist bei einer solchen Einbaulage möglicherweise nicht mehr genügend Platz für eine Doppelmuttern-Konstruktion vorhanden. Als Sicherung gegen das Lösen wird deshalb stattdessen eine Madenschraube verwendet.

3. Verlängerung der Kolbenstange

Wenn 20 oder 30 mm zusätzliche Länge nicht ausreichen und man deutlich mehr Einstellweg braucht, besteht eine weitere Möglichkeit darin, den Gewindebereich der Kolbenstange zu verlängern.
Das hier ist eine „M10×1,25 +55 mm Stem Rod Extension“, die für das YZ Super Road Gewindefahrwerk angeboten wird (japanischsprachige Produktseite: https://www.yzz.co.jp/shock.htm).

Stem Rod Extension zur Verlängerung des Kolbenstangengewindes

Indem man ein solches Verlängerungsstück auf das vorhandene Gewinde der Kolbenstange montiert, kann man die effektive Länge der Kolbenstange vergrößern.
Beim gezeigten Beispiel ist nur der obere Bereich mit einem Gewinde versehen. Wenn man zusätzlich den unteren Bereich mit einem Gewinde versieht, kann man die gesamte Länge nutzen.
Allerdings besteht der untere Bereich der Verlängerung aus einer langen Sechskantmutter. An dieser Stelle kann das obere Domlager daher nicht befestigt werden.

4. Hochgesetzte Domlager

In diesem Fall kann man das obere Domlager weiter oben an der Kolbenstange befestigen und gleichzeitig ein hochgesetztes Domlager verwenden. Dadurch lässt sich die Befestigungsfläche an der Karosserie nach unten versetzen, während das Domlager selbst weiter oben an der Kolbenstange sitzt.
Die Fahrhöhe wird durch die Position bestimmt, an der das Domlager an der Karosserie befestigt ist, und nicht einfach durch die Stelle, an der es an der Kolbenstange sitzt. Auch wenn man das Domlager an der Kolbenstange weiter nach oben versetzt, kann die Fahrhöhe daher unverändert bleiben, wenn das Domlager die Befestigungsfläche entsprechend nach unten versetzt.
Wie viel zusätzliche Länge sich damit gewinnen lässt, hängt von der jeweiligen Konstruktion ab. Manche Produkte, wie zum Beispiel das NieleX Pro Spec SS/AJ, ermöglichen sogar eine Einstellung dieser Höhe (japanischsprachige Produktseite: https://nielex.net/footwork_psa.html).
Bei einer nicht verstellbaren Ausführung ist die Konstruktion an sich relativ einfach. Deshalb lassen sich solche Teile teilweise auch von Maschinenbaubetrieben oder Metallbaubetrieben individuell anfertigen.
Die hochgesetzten Domlager, die ich selbst verwende, sind ebenfalls Sonderanfertigungen und haben eine extrem hohe Befestigungsposition.

Hochgesetztes Domlager mit verlängerter Befestigungsposition an der Karosserie

5. Spacer für das obere Domlager

Die Methoden 1 bis 4 verändern die Gesamtlänge, indem die Befestigungsposition des oberen Domlagers verändert wird. Es gibt aber noch einen anderen Ansatz: Man kann einen Spacer zwischen Domlager und Karosserie einsetzen.
Ein Spacer von etwa 5 mm lässt sich normalerweise ohne große Schwierigkeiten montieren. Manche gehen aber noch weiter, ersetzen die Befestigungsbolzen des Domlagers durch längere und verlängern das Ganze dadurch um etwa 30 mm.
Beim Fahrwerkstuning gibt es wirklich jede Menge Möglichkeiten.

Spacer zwischen oberem Domlager und Karosserie

Spacer am oberen Domlager eines Gewindefahrwerks

Bonus: Die Feder mit etwas Spiel montieren

Wenn beim Einfedern noch genügend Federweg übrig ist, kann man das Gewindefahrwerk auch mit etwas Spiel zwischen Feder und Federteller montieren und so die Fahrhöhe verändern, ohne zusätzliche Federvorspannung aufzubauen.
Wenn man verhindern möchte, dass die Feder aus der Führung des Federtellers rutscht, kann man eine weichere Helperfeder verwenden, die die Feder sicher auf dem Federteller hält.

Damit wären die verschiedenen Möglichkeiten beschrieben, die Länge eines Gewindefahrwerks mit verstellbarem Federteller zu verändern.
Bitte beachtet, dass die Methoden 2 und 3 nicht bei Gewindefahrwerken verwendet werden können, bei denen sich das Einstellrad für die Dämpfung oben an der Kolbenstange befindet. Befindet sich das Einstellrad dagegen seitlich am Dämpfergehäuse oder unten am Dämpfer, sind diese Methoden möglich.
Alle diese Methoden sind aufwendiger, als einfach die untere Aufnahme eines vollständig längenverstellbaren Gewindefahrwerks einzustellen. Der entscheidende Punkt dabei ist: Die Einstellung der Fahrhöhe und die Federvorspannung sind zwei verschiedene Dinge. Diese Methoden bieten lediglich eine weitere Möglichkeit, die Länge des Gewindefahrwerks zu verändern und dabei die Federvorspannung unverändert zu lassen.
Und ehrlich gesagt kann das Experimentieren mit solchen Lösungen überraschend viel Spaß machen. Man bekommt dabei wirklich das Gefühl: „Ich stimme gerade tatsächlich mein Fahrwerk ab!“ Haha.